Youth Code – Commitment to Complications

Wenn eine Band bereits bei ihrem Debutalbum mit einem eigenen, unverwechselbaren Stil in Erscheinung tritt und damit (verdienterweise) Erfolg hat, so lastet ein gewaltiger Erwartungsdruck auf der zweiten Platte. Und so hab ich auch gleichermassen gespannt wie nervös auf Commitment to Complications gewartet. Es hat sich gelohnt: Youth Code ist weder in die Falle getappt, einfach ‚mehr desselben‘ abzuliefern, noch haben sie sich von der erhöhten Aufmerksamkeit (die ihnen spätestens seit ihrer Tour mit Skinny Puppy und Haujobb zu teil wird) und dem zweifellos größeren Budget dazu verleiten lassen, sich in ’sichere‘ Genre-Formen pressen zu lassen.
Nein, Commitment to Complications ist unverkennbar Youth Code und gleichzeitig ein großer Schritt nach vorne.

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Geblieben ist die charakteristische Mischung aus Frustration, Wut und Stolz in Sara Taylors Stimme, geblieben ist die dazu passende Energie in der Musik, die trotz ihrer elektronischen Charakters dem Punk sicher eben so viel schuldet wie den offensichtlichen EBM/Industrial-Vorfahren. Neu hingegen ist, das Youth Code nun auch mal etwas vom Gas geht, mehr melodische Komponenten und flächige Synth-Sounds integriert. Das entschärft die Mischung aber keineswegs, im Gegenteil: Waren die frühen Songs oft ein atemloses Stakkato kleiner Schläge, so nimmt sich Youth Code jetzt manchmal die Zeit, um Luft zu holen und richtig Wucht in einen Schlag zu legen.

Und Schläge zu verteilen haben Sara Taylor und Ryan George einige, den Youth Code ist nach wie vor eine Band, die sehr persönliche Musik macht, die viel Zorn, Idealismus und auch Verletzlichkeit in ihre Texte und Musik legt. Das kann man leicht als naiv abtun, aber in einem Genre, das inzwischen oft von unterkühltem Zynismus geprägt ist, bringt das dringend benötigten frischen Wind. Es gibt derzeit wohl kaum eine andere Industrial/EBM-Band, die so ehrlich leidenschaftlich klingt wie Youth Code, und ich hoffe, dass Sara und Ryan sich dies auch in Zukunft bewahren können.

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