Tarmvred – Kanyl

Drei Künstler produzieren gemeinsam ein Album, wobei jeder drei Songs beisteuert, die er aus Samples der jeweils anderen beiden komponiert hat. Und da es sich bei den drei Künstlern Tarmvred, Panacea und Neelde Sharing handelt, heißt das Album dann auch folgerichtig Panacea Shares Needls With Tarmvred, erschienen 2002 bei Ad Noiseam. Das kollaborative Experiment war ein voller Erfolg und die neun Songs sind allesamt gelungen – aber es gibt einen klaren Gewinner.

Bei Kanyl beginnt Tarmvred mit einem simplen Piano-Loop, der durch ominöses Dröhnen im Hintergrund kontrastiert wird. Kurz darauf einsetzende langgezogene, zitternde Akkorde und zurückhaltende, fast schleichende Drums bauen eine immense Spannung auf. Im mittleren Teil steigen dann mehrmals kurz härtere Bässe und Drums ein und deuten eine mögliche Eskalation an, finden aber nie zu einem durchgängigen Rhythmus und fallen immer wieder weg, um die schleichenden Elemente wieder in den Vordergrund zu lassen. Erst nach zwei Dritteln des Songs gibt es einen break, in dem eine weibliche Stimme etwas (für mich leider unverständliches) haucht – und dann bricht die bis dato vermiedene Hölle los.
„Song als Soundtrack zu einem fiktiven Film“ ist zwar Klischee, aber hier trifft es einfach volle Kanne zu. Ich kann diesen Song nicht hören, ohne vor meinem inneren Auge eine Infiltrationsszene aus einem Cyberpunk-Thriller zu sehen, bei dem ein Agent in eine von Kampfrobotern bewachte Festung schleicht, der Entdeckung mehrmals nur knapp entgeht bis schließlich doch der Alarm losgeht.
Und auch wenn ich Kanyl schon hunderte Male gehört habe, bin ich jedes Mal wieder gespannt wie der Film wohl ausgeht.

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