Subheim – Foray

Subheims drittes Album ist ein interessanter Hybride aus Dark Ambient und Downtempo.
Viele der akkustischen Zutaten sind erstmal geradezu archetypisch für Ambient: Die lange schwebenden Synth-Pads und Streicher, die eingestreuten Field Recordings, die sich ätherisch auflösenden Vokals und der weite, offene Hall. Dabei zielt Subheim jedoch nie auf die Gefühle von Einsamkeit und kosmischer Verlorenheit ab, die im klassischem Dark Ambient oft die vorherrschende emotionale Färbung sind. Der Klang ist nie schneidend, immer weich und von etwas Wärme erfüllt: Als würde man zwar durch eine kalte Winternacht laufen, aber habe dabei einen flauschig warmen Mantel an.

Während einige Tracks sich ohne rhythmische Elemente auf schwebenden Klangkulissen beschränken, sind ein Großteil der songs von beats mitgetragen, die man nicht anders als relaxed bezeichnen kann. Das das Album bei alledem nicht ins seichte abgleitet, ist verschiedenen Faktoren zu verdanken.
Da wäre zum einen die sorgfältige Komposition der Stücke selbst zu nennen, die – ungewöhnlich für das Genre – selten länger als 5 Minuten sind. Dies liegt in der fokussierten kompositorischen Herangehensweise von Subheim begründet: Trotz Verwendung der akkustischen Zutaten von Dark Ambient hat man es hier strukturell mit tracks zu tun, die keine endlosen Ambient-Soundteppiche sind, sondern durchkomponierte Stücke, die zu jedem Zeitpunkt etwas zu sagen haben – und ohne Zeitschinderei enden, wenn sie dies vollbracht haben. Das zeugt von bemerkenswerte Selbstbehrrschung.
Zum anderen gibt es immer wieder kurze, überraschende Vorstöße in unerwartete Richtungen: Das kurze, elektrisierende Aufblitzen einer dissonanten Note oder die Sirene eines vorbeifahrenden Krankenwagens etwa. Besonders hervorzuheben ist dabei, wie Subheim hier oft mit Andeutungen arbeitet: Wenn es scheint, die Field Recordings würden nun in den Vordergrund driften oder ein technoider beat würde sich aus der Synth-Kulisse schälen, so fällt dieses Elemente auch schon wieder zurück, sinkt quasi unter die Oberfläche, aus der es kurz herausblitzte. Diese kurzen, sehr klar produzierten Momente sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit des Hörers nicht erlahmt und zeigen immer wieder, das der Sound auf Foray sehr bewußt gestaltet ist: Andere Wege werden kurz angedeutet, aber nicht beschritten.

Wenn es an diesem Album etwas zu kritisieren gibt, so höchstens daß einige der kürzeren tracks nur im Kontext des Albums funktionieren: Sie erscheinen mehr als Bindeglieder, als verlängerte Überleitunger denn als songe, die auf eigenen Füßen stehen könnten. Diese Kritik ist jedoch nicht sonderlich schwerwiegend, da Foray am besten als Gesamtwerk funktioniert und den Eindruck erweckt, auch so gemeint zu sein.
Als Ausnahme muss an dieser Stelle Red Ridge hervorgehoben werden, welches als unzweifelhaft stärkster Song auf Foray auch ohne den Kontext des Albums sofort fasziniert. Von einem an das X-Files-Theme erinnernden Motiv eingeleitet, verfügt Red Ridge nicht nur über alle beschriebenen Attribute und Qualitäten des Albums, sondern kombiniert diese auch noch mit gedämpften TripHop-artigen Breakbeats und rauhen, fast gehauchten Vocals. Das ganze erinnert sogar im besten Sinne an Massive Attack und ich könnte mir vorstellen, das Red Ridge auch noch in ein paar Jahrzehnten als der Subheim-Song in Erinnerung bleibt… es sei denn, das nächste Album setzt nochmal eins drauf.

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