Michael Idehall – Deep Code Sol

Deep_Code_SolDer Name Michael Idehall war mir bis vor kurzem kein Begriff und ich bin erst über ihn gestolpert, als Ant-Zen diesen Sommer mit Deep Code und Sol zwei Tape-Veröffentlichungen des Schweden zu einer Compilation zusammengepackt und unter dem konsequenten Titel Deep Code Sol neu veröffentlichte. Und ich kann nicht anders, als ihn begeistert weiter zu empfehlen: Idehalls Musik ist phantastisch und bewegt sich zudem in stilistischen Gefilden, in denen für meinen Geschmack zur Zeit viel zu wenig passiert.

Strukturell betrachtet ist die Musik simpel, aus analogen Loops aufgebaut, deren Modulation sich im Laufe der Stücke meist nur geringfügig ändert. Es gibt immer diese eine kurze Sequenz – ein paar dreckige Synth-Takte oder verzerrtes Dröhnen – die in ihrer beständigen Wiederholung das Rückgrat des Stücks bildet. Andere Elemente setzen Akzente, tauchen auf und verklingen wieder. Nichts klingt digital oder nach konventionellen Instrumenten, alles ist analoges Dröhnen, Zittern und Schleifen.
Dabei kommen auch Drums oder anderes Percussion-Elemente erstaunlich sparsam zum Einsatz – meist sind es in erster Linie die Loops, welche die rhythmische Struktur der Songs definieren. Diese Rhythmen sind weder hart noch schnell, aber haben eine hypnotische Wucht, die einem keine andere Wahl lässt als den Körper hin- und her zu wiegen und den Kopf in Trance kreisen zu lassen.

Idehalls Gesang kehrt immer wieder zu mantra-artigen Wiederholungen einzelner Sätze zurück, was immens zur hypnotischen Wirkung der Musik beiträgt. Nur selten durch Effekte verfremdet, sind die Vocals überraschend melodisch und eingängig, ja, sind gelegentlich regelrechte Ohrwürmer – besonders Lucifer bleibt sofort hängen, und ich gestehe, ich habe mich auch schon beim mitsingen ertappt. Thematisch kreisen die Texte um okkulte Themen, manchmal auf kurze Fragmente reduziert, manchmal (wie bei dem zehnminütigen The Language of the Birds) auch in paranoide kleine Erzählungen ausartend.

Wenn man Vergleiche ziehen will, so erinnert mich Idehall an einige der noisigeren Stücke von David Tibet (Dogun oder auch seine Kollaborationen mit Thomas Ligotti), zeitweise an PsychicTV, aber auch an Deutsch Nepal – alles Künstler, die ebenfalls mit Mantra-artigen Wiederholungen arbeiten. Auch Vergleiche mit Coil sind nicht ganz von der Hand zu weisen, aber das sind aber nur grobe Richtwerte – Idehall hat doch einen eigenständigen Stil, den er durch das komplette Album sehr konsequent und koheränt durchzieht, ohne dabei langweilig zu werden. Was er aber mit den genannten Künstlern gemein hat ist, das seine Musik aus einem eigenen, sehr persönlichen und für den Hörer weitgehend rätselhaft bleibenden Universum zu stammen scheint.

Das Jahr 2015 brachte bisher einige großartige Alben von bekannten Künstlern, aber Idehall ist für mich bisher eindeutig die größte Überraschung und Neuentdeckung.

1 Kommentar

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