Ideologisches Hütchenspiel (3)

(Teil 1, 2, 4)

Die Verwendung faschistischer Symbole und Ästhetik allein macht einen Künstler nicht zum Faschisten. Sie kann Teil einer Strategie sein, die darauf abzielt, Faschismus aufzudecken, zu dekonstruieren oder lächerlich zu machen. Laibach dürfte das prominenteste Beispiel dafür sein, dass es möglich ist. ein solches Konzept erfolgreich und konsequent umzusetzen.

Im Werk von Triarii sucht man vergeblich nach dem Moment, in dem die Oberfläche durchbrochen und in Frage gestellt wird. Die musikalische Sprache ist immer die von Kampf und Triumph, von Schicksal, Untergang und Heldentod. Sie befasst sich zwar mit dem Scheitern des faschistischen Größenwahns, aber schildert diesen stets als tragisch und erhaben.
Genau so vergeblich sucht man allerdings nach einer smoking gun, anhand derer man Erdmann zweifelsfrei als Nazi abstempelen könnte: So oder so, es bleiben Restzweifel. Das Werk Triariis ist durchströmt von der Faszination am Aufstieg und Fall eines Imperiums, und trotz des Namens des Projekts ist es eher das dritte Reich als das Imperium Romanum, dem die Faszination gilt. Die daraus resultierende Musik bietet keinerlei Widerstand durch Vereinnahmung von rechtsextremer Seite – zumindest diese Feststellung lässt sich treffen. Und dies rechtfertigt zumindest das Unbehagen, dass man angesichts des Auftretens von Triarii empfinden mag – aber rechtfertigt es eine Einordnung des Künstlers selbst als rechtsextrem? Wohl kaum.

Das bisher gesagt ließe sich in weiten Teilen auf eine Reihe anderer Künstler aus dem Military Industrial/Neofolk-Bereich übertragen, aber im Gegensatz zu vielen anderen hüllt Erdmann sich nicht in Schweigen, sondern hat neben mehreren Interviews sogar eine dreiseitige Stellungnahme auf seiner Homepage veröffentlicht.

Diese enthält zunächste einen deutlichen Einspruch dagegen, als „Nazi-Band“ eingeordnet zu werden, und ein klares Bekenntnis zur Demokratie. Auch findet sich die Einsicht, dass er als Künstler wenig Einfluß auf die Verwendung und Zweckentfremdung seines veröffentlichten Werkes hat – zumal in Zeiten des Internets – und dass dies in einer offenen Gesellschaft auszuhalten sei – selbst wenn er nicht immer damit einverstandten ist. Das zu aktzeptieren würde auch manch anderem gut zu Gesicht stehen und ist ein Punkt, dem ich nur zustimmen kann.

Würde das Manifest sich auf diese Punkte beschränken, so hätte ich wenig einzuwenden gegen das Dokument. Aber im Rest des Textes gibt es so einige Argumentationen, die mich stutzig machen und meine Skepsis angesichts dieses Projektes eher wieder neu entfachen als sie zu beruhigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.