Ideologisches Hütchenspiel (2): Heldentod

(Teil 1, 3, 4)

Was ist hier los?

Warhammer 40k ist ein Tabletop-Strategiespiel, bei dem man liebevoll bemalte Zinnfiguren aufeinanderhetzt. Dafür fand ich nie die Zeit, aber inzwischen gibt es auch eine Reihe von darauf basierenden Computerspielen, und die spiele ich ganz gerne mal.
Das Setting: im 40. Jahrtausend kämpft die Menschheit mit allerlei Aliens um die Vorherrschaft in der Galaxis. Das Imperium der Menschen sind dabei nicht unbedingt die Guten – es handelt sich um eine totalitäre Theokratie, von einem halbtoten telepathischen Gottkaiser regiert. Anleihen an das römische Imperium und die mittelalterliche Inquisition gibt es zuhauf. Nur halt im Weltraum. Und mit Kettensägen.
Stilistisch ist Warhammer 40k eine überdrehte Mischung aus militärischer SF und Fantasy: Alles ist maximal bombastisch, brutal und übertrieben episch.

Das obrige Video ist nicht das einzige auf Youtube, dass Bilder aus Warhammer 40k mit der Musik von Triarii kombiniert. Das war sicherlich nicht von Triarii alias Christian Erdmann vorhergesehen und vielleicht ist es auch nicht unbedingt in seinem Sinne, aber die Kombination funktioniert perfekt. Der maximale militärisch-fatalistische Pathos wohnt beidem inne. In Erdmanns eigenen Worten:

„Mein Ziel ist es irgendwann in vollkommener Megalomanie aufzugehen. Noch mehr Bombast, noch mehr Größe und Erhabenheit.“ [1]

Als Soundtrack zu einem Warhammer 40k-Computerspiel würde die Musik von Triarii also problemlos funktionieren. Tatsächlich bedient sich der Soundtrack dieser Spiele einer ähnlichen akkustischen Palette. Auch der Titel des obigen Stückes – Heldentod – würde wunderbar passen. Und genau wie Warhammer 40k referenziert Triarii (schon im Namen) die Legionen des römischen Imperiums.

Das ist vielleicht eine merkwürdige Richtung, um sich der Musik von Triarii anzunähern, aber sie illustriert gut, welche Stimmung diese Musik transportiert und welche Assoziationen sie weckt, wenn man sie aus dem ursprünglichen Kontext (Texte, Album-Design, Live-Auftritte) löst. Im neuen Kontext eines fiktiven Imperium aus einem SF-Spiel erscheint die Musik nicht weiter bedenklich und popkulturelles buisness as usual.

Geht man allerdings zum tatsächlichen Kontext der Musik… nun, das römische Imperium ist nicht die einzige historische Epoche, auf die Triarii Bezug nimmt. So sieht der „Heldentod“ live aus.

Gerne auch mal mit Armbinde.
Sämtliche Befürchtungen, die durch Alben-Cover, die Bezugnahme auf Arno Breker und von Songtitlen wie Kameraden oder eben Heldentod geweckt werden, scheinen erstmal bestätigt. Jetzt noch ein kurzer Blick in die Texte:

This is Europa
My innermost sun
My state of redemption
Of fire and of water to come
Swastikas rising In times of expand

Man muß schon eine Weile im Industrial oder Neofolk unterwegs sein, um überhaupt auf die Idee zu kommen, den augenscheinlichen Rechtsextremismus dieser Band in Frage zu stellen. Aber wir sind ja seit Laibach trainiert, nicht alles, was auf den ersten Blick faschistisch daherkommt, für bare Münze zu nehmen. Also lassen wir den ‚Nazi‘-Stempel erstmal beiseite und schauen im nächsten Teil nochmal genauer, was Triarii/Erdmann so von sich gibt.

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