Gore Tech – Futurphobia

Gore_Tech_FuturphobiaAuch über 30 Jahre nach seinem Erscheinen wird Neuromancer noch fleissig zitiert und gesamplet – vielleicht sollte man die ganzen Musiker mal darauf aufmerksam machen, das William Gibson inzwischen zehn weitere bemerkenswerte Romane geschrieben hat, die man mal ausschlachten könnte?

Egal – das Intro zu Futurphobia mag vielleicht nicht sonderlich originell sein, aber es erfüllt seinen Zweck und baut den Kontext für das folgende, ansonsten ohne Text auskommende Album auf.

Dieses beginnt mit einigen gut gemachten, düsteren Breakcore-Tracks, die allerdings zunächst ohne große Überraschungen bleiben. Ein sehr solider Start, der sich aber für meinen Geschmack ein wenig zu lang in vertrauten Gefilden aufhält.

Das ändert sich schlagartig zur Mitte des Albums hin – die songs haben ihre Wurzeln nach wie vor unverkennbar im Breakcore, wachsen nun aber in unterschiedliche Richtungen und erscheinen generell weniger formularisch als das erste Album-Drittel – dafür mit mehr Wucht. Monolithisches Dröhnen in The Plague of Zion erinnert an Author&Punisher und bildet in seiner Sturrheit einen spannungsreichen (und nötigen) Kontrast zu den ständig mutierenden Breakbeats.

Dubwar zerschreddert ein Metal-Gitarren-Riff – das hat man schon öfter gehört, aber selten mit solch atemloser Perfektion. Hex Spectrum bewegt sich wieder in ähnlichen Gefilden wie The Plague of Zion, mit einigen dramatischen Breaks und Fiep-Sounds, die verdächtig nach den Laserkanonnen in alten Videospielen klingen – was wieder gut zur anfänglichen Bezugnahme auf den Cyberpunk der 80er Jahre passt.

Bei Organica lässt Gore Tech dann die Breakbeats völlig beiseite und schafft den überraschenden Höhepunkt des Albums. Von der Percussion her schon eher im Ritual-Bereich anzusiedeln, zieht sich ein hohes bohrendes Geräusch im Vordergrund durch den Song, während im Hintergrund wohl dosierter dumpfer Reverb die Assoziation von Kellergewölben weckt. Der Song ist weder der schnellste noch der härteste auf Futurphobia, aber hat einen hypnotischen Sog der ganz nach meinem Geschmack ist.

In den letzten tracks runden gelungene Kooperationen mit Hecq und Machinecode dann das Album ab. Zurück bleibt der Gesamteindruck eines hervorragenden Albums, das trotz kleiner Experimente wie aus einem Guss daherkommt und auch auf der Tanzfläche gewaltig reinhauen sollte.

Wenn dabei so gute Musik herauskommt, darf man Neuromancer meinetwegen auch noch 30 weitere Jahre totzitieren.

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