Deutsch Nepal – Alcohology

Letzte Woche habe ich noch von alten Deutsch Nepal-Songs geschwärmt, diese Woche gibt es ein neues Album.
DeutschNepal_AlcohologyAlcohology ist ein zunächst etwas befremdlicher Titel – aber das Album ist  unverkennbar Deutsch Nepal von der ersten Sekunde an. Die minimalistischen und dennoch effektiven Kompositionen mit hypnotisch-monotoner Percussion. Der weite, oft metallisch angehauchte Reverb – als stünde man in einer verlassenen Fabrik. Die tiefen, erdigen Sounds darunter – bedrohlich anschwellend, um dann wieder zurück ins Dunkel zu fallen. Die rauhe Stimme des ‚Generals‘, überwiegend getragene, fast sakrale Klage, manchmal jedoch in zornige Zwischenrufe ausbrechend.

Und natürlich ist kaum ein Song kürzer als sieben Minuten.

Wer Deutsch Nepal kennt und liebt, wird sich von Anfang bis Ende daheim fühlen – aber große Überraschungen oder Experimente darf man nicht erwarten. Alcohology klingt durchgehend sehr oldschool, schliesst klanglich nahtlos an frühere Werke an. Das Tempo ist dabei weitgehend gebremst, einzig Epicurian Extremism beginnt zunächst etwas treibender, nur um dann in einen düster-meditativen Mittelteil überzugehen und am Schluß wieder an Fahrt aufzunehmen. Was simpel, ja trivial klingt, entfaltet beim Hören jene Art von fast psychedlischem Sog den Deutsch Nepal in seinen besten Momenten auszeichnet: Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Peter Andersson es versteht, mit spartanischen kompositorischen Mitteln einen wirkungsvollen Spannungsbogen zu schlagen und für mich der beste Song auf der Platte.

Bleibt der zunächst befremdliche Titel und die textliche Dimension des Albums. Alcohology? Ich gestehe, ich war zunächst irritiert. Das war für mich nicht unbedingt ein Titel, der zu den isolationistischen Tendenzen von Deutsch Nepal passte. Andererseits hatte ich den ‚General Lina Baby Doll‘ beim Maschinenfest auch schon mit der Bierflasche in der Hand auf der Bühne stehen und „Rock’n’Roll!!“ rufen sehen.

Der (in gleich zwei Versionen auf dem Album vertretene) Titel-Track Alcohology macht klar, das der General keineswegs Alkohol-verherrlichende Spaß-Musik betreibt.

As you've been living through the night
living a live without a purpose
you need get violent sometimes
that's making other people nervous
and you've been hunting for your dream
a dream you know is a disaster
that way you lost your self-esteem
that way your life starts burning faster and faster
it's all in your Alcohology

Das klingt schonungslos und hat nichts von dem falschen Pathos, mit der Depressionen oft in ‚dunkler‘ Musik verherrlicht werden – und wirkt persönlicher, nachvollziehbarer als man es sonst von Deutsch Nepal gewöhnt.
Andererseits beginnt der Song Python dann mit der Warnung, es sei in manchen Ländern riskant, betrunken einzuschlafen, da man von einer hungrigen Schlange verspeist werden könnte… man ist sich nicht sicher, ob diese Warnung das Thema ins Lächerliche zieht oder ins Monströse übersteigert. Und das wiederum passt wunderbar zu einem Künstler, der schonmal eine Dystopian Party Collection rausbringt.

Eine eindeutige Interpretation wird man wohl so leicht nicht finden können, aber es bleibt der diffuse Eindruck, dass sich in der Welt von Deutsch Nepal doch alles nahtlos zusammenfügt: Humor und Abscheu, Alkohol und Meditation, Extro- und Introvertiertheit.

Und bevor ich mich jetzt völlig versteige, ende ich lieber mit dem Fazit: Alcohology ist keine Sensation oder Überraschung, aber ein ausgesprochen gutes Deutsch Nepal-Album – nicht mehr und nicht weniger.

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