„Das ist fast nicht gefährlich“

…erklärt Robert Karliczek zwischen zwei songs, während Marko Schröder zur Flex greift. Dann fliegen die Funken bis zur Decke. Und das ist nicht nur Gimmick, sondern integraler Bestandteil der Musik von Beinhaus. Voller Einsatz. Das Konzert hat meine Erwartungen deutlich übertroffen.

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Das Duo wird ja gerne mal mit den (frühen) Einstürzenden Neubauten verglichen. Der Vergleich ist bei der Verwendung von (unter anderem) Ölfässern, Wellblech, Plastikkanistern, Ziegelsteinen und ’ner Flex als Instrument naheliegend, aber auch sehr oberflächlich. Neben der brutalen und brutal-guten Alltmetal-Percussion spielen Samples und elektronische Beats – gerne auch mal Breakbeats – ebenfalls eine signifikante Rolle und Roberts Gesang nähert sich in manchen Stakkato-Passagen schon dem HipHop an. Nichts davon ist für sich genommen neu, aber die Kombination der Elemente ist dann doch etwas sehr eigenständiges, das sich nicht so einfach auf den Vergleich mit einer einzigen anderen Band reduzieren lässt.

Live funktioniert diese Mischung fantastisch, und selbst einige Lieder, die mich von Platte nicht so recht zu überzeugen vermochten (wie das klaustrophobische ‚Höhle‘ vom neuen Album) waren als Performance überwältigend. Interessant ist auch, das Beinhaus frei von Genre-Scheuklappen zur Inspiration gerne auf Material aus dem frühen 20. Jahrhundert zurückgreift: Sei es in der Berthold Brecht-Vertonung „Resolution“, sei es das Cover von „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ (komponiert von Friedrih Hollaender für Marlene Dietrich). Letzteres – von einem quietschenden Fleischwolf begleitet und schaurig-tief vorgetragen – beweist, das Beinhaus auch ruhigere Songs schreiben kann ohne an Intensität zu verlieren.

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Das eingespielte Team hat eine klare Rollenverteilung: Während Robert mit viel extrovertierter Energie den Entertainer gibt, ist Marko die manisch-stumme Rhythmusmaschine. Man merkt den beiden an, dass sie schon seit zwei Jahrzehnten zusammen aktiv sind und in der Kombination ergibt sich eine Bühnenpräsenz, die für nur zwei Personen immens ist. Ich hoffe auf zwei weitere Jahrzehnte, da ich Depp schon zu viele Konzerte verpasst habe und nun gerne noch ein paar erleben will.

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