Author & Punisher – Melk en Honing

AP_MelkEnHoningTristan Shone alias Author & Punisher gehört zu den ungewöhnlichsten und innovatisten Musikern dieser Generation – daran gibt es schon seit seinem Debut vor nunmehr zehn Jahren keinen Zweifel. Mit seinem fünften Album hat er nun den bisherigen Höhepunkt seines Schaffens erreicht und seine eigenwillige Methodik des Musikmachens perfektioniert.

Auf Melk en Honing kommt wieder das ständig wachsende Ensemble von Shones selbstgebauten Maschinen zum Einsatz. Technisch gesehen handelt es sich nur um Controller, welche selbst keine Sounds erzeugen, sondern allein über USB und Midi zur Steuerung des Computers dienen. Aber die massiven Metallkonstruktionen sind weit mehr als Gimmicks.

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Während normale Controller auf möglichst leichte Bedienbarkeit ausgelegt sind, leisten Shones Maschinen Widerstand und erfordern körperliche Arbeit. Der Sound mag computergeneriert sein, der Rhythmus ist es nicht: Dafür muß Shone schuften. Wo Präzision in elektronisch generierter Musik ansonsten vorprogrammiert ist, ist sie hier hart erarbeitert. Und die daraus resultierende Spannung ist einer der Grundpfeiler von A&Ps Stil.
Der andere ist, das A&Ps Sound sich von einem Genre herleitet, das nicht unbeding dafür bekannt ist, Computer und Midicontroller zu benutzen: Doom Metal.

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Diese einzigartige Kombination – der dröhnende, schwere Sound, von eben so schweren Maschinen gesteuert – liesen A&P zu einem Experiment werden, dass auch bei Industrial-Fans auf offene Ohren stieß, obgleich Shone ursprünglich mit Industrial gar nichts am Hut hatte. Somit handelt es sich bei ihm um einen Künstler, der auf eigenen Wegen und ohne Genre-Scheuklappen in der Industrial-Szene aufschlug und sehr willkommenen frischen Wind mitbrachte. Inzwischen findet sich auf seiner Website die erstaunlich treffende Bezeichnung „industrial doom and drone metal one man band„.

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Die ersten vier Alben belegen zwar eindrucksvoll, dass A&P keine Eintagsfliege ist, sondern Shone seinen Stil (und seinen Maschinenpark) kontinuierlich weiterentwickelt – waren jedoch bei weitem nicht makellos. Wie oft bei Drone-lastiger Musik ist der sound oft besser als die songs. Man kann an jeder beliebigen Stelle ins Album hineinhören, und es klingt großartig – jedoch bleiben wenige songs als solche im Gedächnis hängen.

Und genau an dieser Stelle übertrumpft Melk en Honing seine Vorgänger.

Die Songs auf Melk en Honing sind besser aufgebaut, verfügen über mehr konventionelle Struktur – und in diesem Falle ist ‚konventionell‘ mal nicht abwertend gemeint. Jeder Song auf Melk en Honing hat seine eigene Steigerungen und Wendepunkte, Brüche und sogar wohldosierte Andeutungen von Melodie – kurzum, seine eigene Dramaturgie. All dies führt dazu, dass sie auch tatsächlich als Songs im Ohr und im Gedächnis bleiben, und nicht nur als Sound.
Dabei ist Melk en Honing sowohl klanglich als auch strukturell wieder näher am Doom Metal als die letzten paar Alben. Bei einigen Passagen – besonders in dem mörderisch guten Disparate – fällt es schwer zu glauben, dass da nicht drei langhaarige Norweger zu Boden starrend ihr Gitarren schreddern. Aber A&P ist eben keine Metal-Band mit mehreren Instrumentalisten, sondern Shones alleinige Schöpfung, die jederzeit nach dessen Willen die Konventionen brechen und in andere Richtungen ausbrechen kann.

Auch der Gesang spielt im Vergleich zu früheren Werken eine prominentere Rolle – was nicht überraschend kommt, hat Shone doch in letzter Zeit an einer Reihe von bizzaren stimmverfremdenten Masken gebastelt. Die Vocals erfüllen ihren Zweck und tragen teilweise erheblich zum Gelingen der Songs bei, wie zB der Wechselgesag in zwischen rauhen und weichen Vocals in Shame. Aber Shone übertreibt es nicht – seine Stimme gliedert sich immer in den Maschinenpark ein, drängt sich nie in den Vordergrund.

Und dieses Lob lässt sich eigentlich auf die anderen Elemente ausdehnen: Nichts ist hier übertrieben, alles fügt sich zu einer nahtlosen zur Doommaschinerie zusammen.

Wer Author&Punisher schon kennt, wird dieses Album lieben.
Und wer ihn noch nicht kennt, könnte sich keinen besseren Einstieg wünschen.

Uneingeschränkt empfehlenswert!

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